Von Herz zu Herz – Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

 

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.
Das musste ich selber lernen.
So erlebe ich aber ganz viele Menschen in meinem Umfeld.
Für mich ist das jetzt übergriffig.

Bist Du auch so jemand, der immer weiß, was man bei einem Problem tun muss?
Bist Du auch so jemand, der genau weiß, was gut für einen Menschen in einer bestimmten Situation ist? Vielleicht sogar, weil Du sie selber erlebt hast und Dir genau das geholfen hat?

Ja, so jemand war ich auch mal.
Und dann habe ich nach und nach gelernt, dass das, was für mich gut ist, nicht für andere gut sein muss. Ich habe gelernt, dass ich Menschen am besten meinen Respekt erweise, in dem sie ihre Entscheidungen treffen lasse, auch wenn ich genau weiß, was man da besser oder schneller machen könnte. Wenn ich gefragt werde, dann erkläre ich ihnen, wie ich es erlebt und aufgelöst habe und dann respektiere ich die Entscheidung und die Wünsche des anderen. Auch wenn sie nichts an einer Situation ändern, die leicht zu ändern wäre.

Ich musste auch erkennen, dass es jedem selber überlassen sein muss, wie sauber seine Wohnung ist und ob er 2xtäglich oder 1xwöchentlich duscht. Dass mir das vielleicht stinkt, ist mein Problem. Denn ich habe ja auch das Problem mit den Hygienegewohnheiten des anderen.
So ist es mit vielen Gewohnheiten anderer Menschen die in den aller wenigsten Fällen meinen, entsprechen.

Viele Menschen halten eine leidliche Fassade aufrecht. Aber wenn sie älter werden und vielleicht noch krank, dann geht das oft nicht mehr.
Und auch wenn viele Menschen gleich von einer nicht geachteten Menschenwürde sprechen, wenn Menschen in einer für ihre Begriffe schmutzigen Wohnung leben, die mindestens 4x täglich 15 Minuten gelüftet gehört, so kann ich aus Erfahrung sagen, dass für mich die Menschenwürde dann am meisten gewahrt wird, wenn man Menschen so leben lässt, wie sie sich wohlfühlen. AUCH wenn das nicht meinem Wohlfühllevel entspricht. Und die allermeisten Menschen fühlen sich in ihren eigenen vier Wänden nun mal wohler. Auch wenn man da nicht vom Boden essen kann.

Viel wichtiger bei meiner Arbeit ist mir ein offenes Ohr für die für diese Menschen und deren wirklich wichtigen Probleme zu haben.
Und vor allem, dass ich diesem Menschen das Gefühl gebe, dass er ok ist.
Wie ist das mit Dir, wünschst Du Dir nicht auch oft einfach so sein zu können wie Du bist? Angenommen zu werden obwohl Du anders handelst oder denkst?
Klar biete ich immer wieder Hilfe an.
Klar organisiere ich etwas, wenn ich gebeten werde. Aber egal wie oft ein Mensch sich dann auch wieder anders entscheidet, ich bin da wenn der nächste Versuch gestartet werden soll.

Und manchmal muss man sich auch einfach zurückziehen.
Denn oft muss ein Mensch auch einfach noch ein wenig erleben, dass es nicht geht. Und zwar ohne ständige Ermahnungen und Erinnerungen. Und dann kommt auch oft der Punkt, an dem Hilfe angenommen wird.

Ich habe mich sowohl beruflich, als auch als Tochter in oft schmerzhafter Kleinarbeit davon frei gemacht, dass ich helfen muss. Jeder Mensch hat das Recht so zu leben wie er möchte.
Und zwar so lange er sich oder andere nicht gefährdet.
Und wenn ich mir nicht sicher bin wo das die Grenze ist, dann lasse ich einen Arzt entscheiden.

Und ja, manchmal ist das schwer auszuhalten.
Denn ein gewisser Druck ist ja nicht nur durch das eigene, gut gemeinte vorhanden.
Oft kommt ja auch noch Druck von außen hinzu.
Dazu kann ich nur sagen: Immer höflich lächeln und ignorieren.
Diskussionen nutzen nichts. Denn auch diese Menschen meinen es nur gut.


Kennst du jemanden, für den mein Beitrag auch interessant sein könnte?
Ich freue mich, wenn DU ihn teilst. DANKE ♥


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